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    18.07.2010 - 7. Sonntag nach Trinitatis
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    Die Gnade unseres Bruders und Herrn, Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

     

    Apg 2,41-47
    41 Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen. 42 Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. 43 Es kam aber Furcht über alle Seelen, und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. 44 Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. 45 Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. 46 Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen 47 und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden. Herr, du fügst hinzu, das ist gut zu hören, es entlastet und macht Mut, Gott, ich danke dir dafür. Amen.

     

    Liebe Gemeinde,

    auch wenn es nicht so war, - in Wirklichkeit, da sind sich alle ernsthaften Bibelausleger einig, auch wenn es in Wirklichkeit nicht so war, dass alle ihre Güter verkauft haben, alles miteinander geteilt haben, es ist einfach schön ein solches Ideal zu beschreiben. Das hat auch Karl Marx gemacht. Die Worte hier in der Apostelgeschichte und das Ideal des Kommunismus gleichen sich auffallend. Aber es ist ja nicht so, weder im Real-Existierenden-Sozialismus gab es das, - im Gegenteil, noch bei uns Christen gibt es das in dieser Form. Schon einige Zeilen später werden gab andere Dinge über die ersten Christen erzählt. Oder man muss nur in die Paulusbriefe schauen, da wird ordentlich gestritten und übereinander geredet, wie auch bei uns. Trotzdem liebe ich solche Ideale Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. (...) Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Jeder bekommt das, was er oder sie nötig hat: Bezahlung nach Bedürfnis nicht nach Leistung, das hat mich schon als Jugendlicher total fasziniert. Scheint aber nicht möglich, weder da noch dort.

     

    In der heutigen Realität würde der Predigttext eher so klingen:
    Es sind pro Jahr keine 3000 Menschen, die sich in unserer Gemeinde taufen lassen. Es sind viel weniger. Es sind vor allem Kinder, die getauft werden. Einige von ihnen sieht man bei der Konfirmation wieder, an Weihnachten, später dann, wenn sie heiraten oder erst, wenn die Eltern sterben. Andere von ihnen bleiben in der Gemeinde und gestalten sie mit, engagieren sich und beleben sie. Sie kommen in guten, wie in schlechten Zeiten. Sie teilen zwar nicht Hab und Gut, aber ihre Zeit und die Gemeinschaft miteinander. In dieser Gemeinschaft feiern sie hin und wieder Gottesdienst...

     

    So ähnlich könnte es doch heute klingen. Nun kann ich darüber lamentieren und erzählen, dass es früher ganz anders und natürlich besser war, was im Großen und Ganzen nicht stimmt. Es wurde zu allen Zeiten, die ich überblicke gleich lamentiert. Und sogar zu Zeiten unseres Predigttextes war die Christusbewegung eine verschwindend kleine Minderheit, als kleine jüdische Sekte. Ich glaube noch nicht mal, das die Zahl unseres Predigtextes der Realität standhält.

     

    Vielmehr freut mich an der Realität, dass immer mal wieder Konfirmierte im Gottesdienst entdecke, dass die Schulgottesdienste unserer Grundschule immer mehr zu den best besuchten Gottesdiensten des Jahres werden, besucht von Jung und Alt. Oder diese Woche kam eine inzwischen junge Dame, die ich vor Jahren konfirmiert habe und erzählte mit leuchtenden Augen von der Mädchenfreizeit des CVJM, die sie mit betreut hat. Das ist zwar nicht die Menge, aber doch sehr viel Wert.

     

    Unser Predigttext beschreibt ja Gemeinde in den Stichworten: Die Lehre, die Gemeinschaft, das Brot brechen und sie fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Auch das wird schon zu dieser Zeit dem Realitätstest nicht standhalten, im Gegenteil, die anderen Juden und noch mehr die Römer sahen sie nicht gerade mit Wohlwollen an. Und auch heute ist das Wohlwollen großer Teile unserer Bevölkerung nicht wirklich wahr zu nehmen. Die empirischen Untersuchungen in Deutschland stellen, vor allem in den Städten immer mehr Ignoranz gegenüber der Kirche fest. Das schlimmste, meine ich, was uns in der Kirche passieren kann: Ignoranz. Die Menschen sollen lieber Anstoß nehmen, sich ärgern über Kirche als sie zu ignorieren. „keine Ahnung, interessiert mich nicht!" Das wäre das schlimmste, oder besser, das ist das Schlimmste und zwar nicht um unseretwillen, sondern weil dann die Lehre, die Wahrheit der Schrift nicht mehr zu den Menschen dringt.

     

    Welches Bild von Gemeinde haben wir denn im Blick, wenn wir auf unsere Gemeinde schauen. Ich habe in der Predigtvorbereitung von drei Bildern heute gelesen, die ich durchaus bedenkenswert finde und alles hat was auch für unsere Gemeinde in Nierstein.

     

    Ein Schiff das sich Gemeinde nennt, sie kennen das Kirchenlied, was leider nicht in unserem Gesangbuch steht: Ein Schiff das sich Gemeinde nennt, das Ziel das ihm die Richtung weist, heißt Gottes Ewigkeit (...)das Schiff das fährt vom Sturm bedroht, durch Angst, Not und Gefahr, Verzweiflung, Hoffnung, Kampf und Sieg, so fährt es Jahr um Jahr. Und immer wieder fragt man sich: Wird denn das Schiff bestehn? Erreicht es wohl das große Ziel?
    Wird es nicht untergehn? Bleibe bei uns, Herr! wir allein auf der Fahrt durch das Meer.
    Oh bleibe bei uns Herr! Es geht dann weiter, dass das Schiff oft auch selbstgefällig im Hafen festliegt, eine gute Mannschaft braucht und trefflich streiten muss um den rechten Kurs. Sind wir so eine Gemeinde auf dem Meer der Zeit, die um uns brodelt und tostaber auch mal ganz still sein kann?
    Oder
    Die Herberge am Wegesrand, sind wir „Einladende Kirche", wie es unser ehemaliger Kirchenpräsident Helmut Hild einmal ausgegeben hat. Stehen unsere Türen offen und damit meine ich nicht nur die Kirchentüren der Martinskirche für die Touristen, sondern vielmehr stehen unsere Türen der Gruppen und Kreise, der Hauskreise, des Seniorenkreises und des CVJM wirklich allen offen, die auf ihrem Weg vorbeikommen. Oder werden Menschen, die auf dem Weg mal vorbeikommen eher beäugt, wie es ein anonymer Briefschreiber im letzten Jahr nach dem Erntedankgottesdienst schreib: „Leider waren zu viele Eintagsfliegen im Gottesdienst." Das ist alles andere als einladend.
    Oder
    Die Gemeinde als Amphitheater In einem Kreis in der Mitte der Gesellschaft zeigen wir als Gemeinde wie es gehen kann. Wie wir leben als Christen und die Gesellschaft erkennt, dass es sich lohnt Teil des Ensembles zu sein. Dann sind wir „Ansprechende Kirche", wie ich es vor Jahren einmal in einem Artikel für das Deutsche Pfarrerblatt formuliert habe. „Ansprechende Kirche" im doppelten Sinn. Einerseits, dass wir nicht in unseren Kreisen sitzen und warten, dass jemand kommt und im Zweifelsfall lamentieren und schimpfen, das die Leute von heute...sondern, dass wir auf die Leute zugehen. Dass wir Angebote machen über die Gottesdienste hinaus zu Themen, die heute von Interesse sind. Dass wir den Evangelischen Kindergarten so weiter entwickeln, dass die Menschen ihr Kinder gerne zu uns bringen. Und „Ansprechende Kirche", indem wir ansprechende Angebote machen, dass wir wie im Amphitheater unsere Gottesdienste, den Kinderbibeltag oder eine Veranstaltung wie Bibeltexte und Musik inszenieren, dass Menschen den ästhetischen Wert erkennen und so zu den Inhalten kommen, die wir vermitteln wollen.

     

    Für mich haben alle drei Vorstellungen von Gemeinde etwas und ich würde mir eine Mischung wünschen. Natürlich können wir Gottesdienste auch in einem kahlen Raum halten und es ist ein Gottesdienst. Aber es hat etwas, das in einer schönen, hellen, ansprechend gestalteten Kirche zu machen. Für einige ist der Gottesdienst im Johannes-Busch-Haus etwas Besonderes, weil er anders ist als in der Martinskirche, andere kommen nicht ins Johannes-Busch-Haus, weil es für sie kein Gottesdienst ist.

     

    Wir haben ja den Altarraum bewusst noch nicht fertig stellen lassen, weil wir bei unserem Kirchenvorsteherwochenende vor zwei Wochen uns alle einig waren, dass der Altar und der Altarraum zusammenpassen muss. So wie es vorher war hat es gepasst. So war es 1974. Aber was wollen wir 2010. Wir haben interessante Erfahrungen gemacht, sowohl als wir bewusst in verschiedene Kirchen gegangen sind, um uns Altäre anzuschauen und auch als wir von der Bibel her über den Altar nachgedacht haben. „Ja, evangelisch heißt das ja eigentlich, dass das nur ein Tisch ist, an dem wir Abendmahl feiern. Wenn kein Abendmahl ist kann der ruhig verschoben werden, es kann etwas abgestellt werden. Der Altar ist ja nicht heilig." Stimmt das wirklich. Kann man auch einen Bierkasten drauf abstellen? kann ein Chor ihn als Treppenstufe benutzen? „Warum sage ich meinem Sohn, er soll nicht laut schreien und rennen in der Kirche.", wenn das nicht doch irgendwie ein heiliger Raum ist und der Altar auch irgendwie heilig. Was ist das eigentlich Heilig, feiern nicht wir evangelische auch das heilige Abendmahl.

     

    Das Heilige ist das "Ganz-andere" das nicht zur naturwissenschaftlich definierbaren Welt gehört das sich dem rationalen Zugriff entzieht und durch Theologie oder Philosophie nur umschrieben nicht definiert werden kann da der normale Mensch als unvollkommenes Wesen das Vollkommene nicht begreifen kann.

     

    So eine Definition eines Theologischen Lexikons. Diesem Heiligen begegnen wir doch in der Kirche im Gottesdienst, wenn wir vom Heiligen Geist sprechen. Deshalb ist es uns so wichtig geworden einen ansprechenden Altar in unsere schöne Martinskirche zu bekommen. Wir werden als nun drei unterschiedliche Künstler bitten, einen Entwurf zu machen, der zu unserer Kirche passt. Unterscheiden werden sich die Künstler vor allem darin, mit welchen Material sie arbeiten. Stein oder Glas und auch Holz. Wichtig ist uns im Kirchenvorstand, dass es „stimmig" ist. Überzeugt ahben uns Beispiele von Altären, die in die Kirche und in den Chorraum passen. Deshalb haben wir auch die Wiederherstellung des Altarraumes gestoppt. Wir möchten von den Künstlern zusammenpassende Entwürfe haben, bei denen unter Umständen die hier angedeuteten Säulen und der marmorierte Streifen störend wirken könnten. Der alte Altar war genau eingepasst, passt da ein anderer Altar. Wir sind sehr gespannt, was die angesprochenen Künstler daraus machen werden. Wir hoffen schon bald nach der Sommerpause drei Entwürfe vorstellen zu können. Wir werden sie sicher hier in der Kirche präsentieren. Entscheiden muss letztlich der Kirchenvorstand und das soll ja eine Entscheidung für die nächsten 50-100 Jahre werden. Ich finde es spannend.

     

    Und schon unser Kirchenvorsteherwochenende hatte viel mit unserem Predigttext zu tun. Wir haben nämlich plötzlich über unsere Vorstellung von Kirche und Gemeinde in der heutigen Welt gesprochen und dazu regt das Ideal der Apostelgeschichte an. Ein Schiff das sich Gemeinde nennt, die Herberge am Wegesrand oder das Amphitheater, in dem dramaturgisch ansprechendes für die Welt geboten wird. Suchen Sie sich ihre Vorstellung der Gemeinde in der heutigen Welt und bringen Sie sich damit ein. Amen.

     

    Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen uns Sinne in Jesus Christus, unserem Bruder und Herrn.Amen.

     

     



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